Aloha Gwen. Das Leder und die Arbeit damit – wann war Dir klar, dass das es ist?
Die Leidenschaft dazu begann schon recht früh. Mit 14 fing ich bei einem Freund und meinem späteren Mentor an, ab und zu in seiner Werkstatt und am Wochenende auf Märkten auszuhelfen. Er brachte mir im Laufe der Jahre das Meiste über diese wunderschöne Arbeit bei und zeigte mir, wie das Marktleben funktioniert.
Jungingen, der nördlichste Stadtteil von Ulm, ganz knapp schon auf der schwäbischen Alb und auch meine Heimatstadt. Was liebst Du am Leben in Jungingen und Ulm, wie beeinflusst es Deine Arbeit?
Ich liebe hier das Leben mit meiner Familie, dass ich sowohl direkt im Grünen als auch schnell in der Stadt bin. Die schnelle Anbindung an die Autobahnen ist natürlich ein großer Vorteil für mich in Bezug auf das Märktefahren. Wir haben hier alles, was wir brauchen. Nur eine kleine Werkstatt wäre noch mein Traum.
Das Lederhandwerk ist eines der ältesten überhaupt. Das Material schützt und schmückt den Menschen, ummantelt Griffe, verschönert das Wohnzimmer und vieles mehr. Doch ist Leder nicht gleich Leder. Erzähle uns doch etwas über die Geschichte der Häute.
Der Werkstoff Leder ist für mich etwas ganz Besonderes. Das Leder an sich hat schon ein hohes Maß an Respekt verdient, da es von einem Lebewesen stammt. Mir ist es unglaublich wichtig, nachhaltig zu arbeiten und die Ressourcen der Umwelt zu schützen und verantwortungsvoll damit umzugehen. Daher achte ich darauf, dass die Häute/das Leder aus einer regionalen und nachhaltigen Gerberei kommen. Dabei ist mir wiederum wichtig, dass keine chemischen Stoffe zur Gerbung verwendet werden und die Tiere artgerecht gehalten werden. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir nutzen sollten, was bereits da ist, bevor wir innovative Materialien künstlich entwickeln. Daher arbeite ich nur mit naturgegerbtem Leder.
Wie suchst Du das von Dir verarbeitete Leder aus, welche Eigenschaften muss es haben und welche darf es nicht haben?
Jedes Stück Leder ist einzigartig. Kleine natürliche Unregelmäßigkeiten oder Narben sehe ich nicht als Fehler, sie sind für mich ein Zeichen von Leben. Sie machen jedes Produkt einzigartig. Diese „Fehler“ machen das Leder lebendig und tragen zu seiner Schönheit bei – jedes Produkt erzählt so seine ganz eigene Geschichte.
Für mich muss sich gutes Leder gut anfühlen, es muss wie ein Handschmeichler sein, robust oder weich, langlebig und angenehm auf der Haut. Durch seine Benutzung wird es von Tag zu Tag schöner und entwickelt seine einzigartige Patina.
Je nachdem, wie ich es verarbeiten möchte, muss es spezifische Anforderungen erfüllen. So muss ein gutes Gürtelleder eine gute Festigkeit mitbringen und eine gleichmäßige Dicke, wohingegen ein Leder für Flechtarbeiten dünn und filigran verarbeitet sein muss, also ganz andere Anforderungen erfüllen sollte. Allerdings gibt es doch einiges, was alle Leder erfüllen müssen. Sie müssen z.B. chemie- und chromfrei sein und dürfen keinesfalls künstlich beschichtet sein.
Dich findet man auf den Märkten der Republik, Handwerkermärkte, Kunsthandwerkermärkte etc. Wer schon einmal ein ganzes Wochenende am Stand gestanden hat und das Wetter einem seine blanke Kehrseite gezeigt hat, weiß, was es heißt, zu frieren. Was liebst Du am Markttreiben, was eher nicht?
Ich liebe am Marktleben die Freiheit und das Reisen, den Austausch mit den unterschiedlichsten Menschen. Hier spielt oft reich oder arm keine Rolle, man begegnet sich einfach. Untereinander mit den Ausstellern, mit den Besuchern oder einfach nur mit interessierten Menschen. Herkunft, Ethnie oder sonstiges spielt dort in meinen Augen keine Rolle. Das schätze ich ungemein.
Was ich nicht mag, ist, wenn man sich nicht als Team versteht zwischen Ausstellern und Veranstaltern oder wenn Regen und Kälte einen das ganze Wochenende begleiten. Das mag ich überhaupt nicht.
Einen Blick in die Zukunft bitte, wohin geht wohl das Leben mit dem Leder und Deinem Handwerk, was kommt, was geht und was ging noch nie?
Eine gute Frage. Gerne hätte ich in naher Zukunft eine kleine Werkstatt und langfristig einen kleinen Laden (momentan arbeite ich zuhause).
Als Vision hätte ich gerne eine Werkstatt mit einem kleinen Laden, bei dem auch Jugendliche, die irgendwie durchs System fallen, bei mir einen Raum finden, um kreativ arbeiten zu können. Meine Werkstatt soll immer eine offene Tür und ein Anlaufpunkt sein für Jugendliche, ungeachtet ihrer Herkunft und der schulischen Leistung. Sie dürfen bei mir lernen, was es bedeutet, mit den eigenen Händen kreativ zu sein und Dinge mit Mehrwert zu schaffen. Auch sonst soll dies ein Platz zum Treffen und Austausch sein.
Ich weiß, dass dies in der heutigen Zeit wenig Platz hat, aber ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wertvoll ein solcher Platz sein kann.
Vielen Dank Gwen!
Ich danke Dir sehr für Deine Zeit!
Gwendolin Le Glaz
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